Oh Gott, was denken nur die anderen über mich?
Hast du dich schon einmal dabei ertappt, wie du dich innerlich sooooo unsicher fühlst, weil diese eine Frage in deinem Kopf deine ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht: “Oh Gott, was denken nur die anderen über mich?”
Ich hatte das z.B. während meines Austauschjahres im Chor-Unterricht als ich vor 150 anderen Schüler*innen und 2 Lehrkräften (also 304 Augen auf mich gerichtet!) für einen Einzelpart vorsang und während ich zum allerersten Mal ein Mikrofon in der Hand hielt, merkte ich, wie flach meine Stimme klang.
Wir tragen alle eine innere Kamera, die ständig auf uns selbst gerichtet ist – und die Bilder, die sie aufnimmt, sind nicht die Wirklichkeit, sondern unsere eigenen Ängste, Erwartungen und Selbstzweifel. Die Stimme, die sagt: ‚Sie finden dich nicht gut genug‘ – das ist nicht die Stimme der Menschheit. Das ist die Stimme, die wir uns selbst eingepflanzt haben.
Die Wahrheit ist: Niemand denkt so viel über uns nach, wie wir über uns selbst denken. Die meisten Menschen sind mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt – mit ihren eigenen Zweifeln, Ängsten, Wünschen. Du bist nicht das Zentrum ihres Universums. Du bist nur ein (kleiner) Teil ihres eigenen Films.
Nächstes Mal, wenn du spürst, wie die Angst und die Selbstzweifel in dir hochkommen, halte kurz inne und frag dich:
Was genau hat jemand gesagt oder getan?
Wie habe ich es interpretiert?
Was sind die Fakten?
Und was ist nur mein innerer Kommentar?
Du wirst überrascht sein, wie oft die „Realität“ nur ein Schall deiner eigenen Stimme ist.
Wirkliche Freiheit beginnt nicht damit, dass andere uns mögen. Sie beginnt damit, dass wir aufhören, uns selbst zu beurteilen – und damit aufhören, uns in der Rolle des Beurteilers zu verstecken. Wenn du merkst, dass du dich fürchtest, was andere denken, dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Signal: Du bist noch nicht frei. Und das ist okay. Denn jetzt kannst du anfangen, es zu verändern.
Mein Chor-Erlebnis war übrigens eine wegweisende Erfahrung, die mich bis heute positiv begleitet. Damals haben ganz viele Schüler mir auf die Schulter geklopft und mich beglückwünscht, auch wenn ich letztendlich nicht den Part bekommen habe.
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